Schafe als Landschaftspfleger - Twistetaler Nabu-Gruppe stolz auf Orchideenwiese
Twistetal-Berndorf – Um die seltenen Orchideen und Enziane auf dem Gelände „Hollenholz“ und „Im Lünzborn“ bei Berndorf zu schützen, rückt der Naturschutzbund (NABU) Twistetal mit Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes Waldeck-Frankenberg mit schwerem Gerät und wolligen Grasfressern den Hecken und Gräsern zu Leibe.
Als der NABU den zuvor als Ackerland genutzten Halbtrockenrasen auf Zechsteinkalk Mitte und Ende der 90er Jahre erst pachtete und später kaufte, zählten sie lediglich 20 verbliebene Exemplare des dreizähnigen Knabenkrauts, das unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze steht. Inzwischen hat sich die Population auf dem extensiven Grünland deutlich erholt und die Tendenz ist laut des Vorsitzenden des NABU Twistetal, Friedhelm Wernz, steigend. Dazu tragen auch die Coburger Fuchsschafe und Rhönschafe aus dem Stall von Lars Bangert bei, die im April, kurz vor der Orchideenblüte, das Gras auf der Wiese kurzhalten sollen, damit die Orchideen genug Licht bekommen.
So tragen die Schafe im Frühjahr dazu bei, dass die Orchideen optimale Bedingungen zum Wachsen haben. Im Sommer bei der zweiten Beweidung nach der Blüte, bleiben die Samen der Pflanzen an ihrem Fell hängen und werden zusätzlich mit dem Kot wieder ausgeschieden, sodass sich die Samen über die gesamte Wiese verteilen.
Die seltenen Orchideen sind im Mittelmeerraum beheimatet und gedeihen nur an wenigen Stellen in Deutschland. Um der Aufgabe, sie zu schützen, bestmöglich gerecht zu werden, lässt der NABU Twistetal auch die Hecke aus Schwarz- und Weißdorn, Holunder, Hartriegel und Heckenrosen schneiden.
Ein Twistetaler Landschaftspflegeunternehmen übernimmt den Schnitt, der händisch viel zu aufwendig wäre, und mulcht außerdem noch Flächen. Zum einen kam dem Unternehmen der derzeitige Frost zugute, um möglichst bodenschonend mit den schweren Maschinen über die Flächen zu fahren, zum anderen ist der Heckenschnitt aufgrund von brütenden Vögeln nur bis Ende Februar erlaubt.
Jetzt herrschen wieder die richtigen Lichtverhältnisse für die Orchideen und Enziane, die neben 40 weiteren Pflanzenarten auf der Fläche heimisch sind. Die Naturschützer hoffen, dass die Zählungen von 1200 Orchideen und 200 Enzianen auf sechs Hektar Fläche aus den vergangenen Jahren noch übertroffen werden. Der Landschaftspflegeverband Waldeck-Frankenberg hat für die Maßnahme Fördermittel akquiriert und sich vor Ort ein Bild über deren Einsetzung gemacht.
Quelle: WLZ 12.02.2025 Autorin: Heike Sauer