Landschaftspflegeverband unterstützt Haltergemeinschaft Hinterwälder Rind
Das Thema: Der Landschaftspflegeverband Waldeck-Frankenberg wurde vor einem Jahr gegründet. Eine der ersten Maßnahmen ist ein Beweidungsprojekt vor den Toren Frankenaus, das jetzt vorgestellt wurde. Wir erläutern Hintergrund und Ziele des aus Naturschutz, Landwirtschaft und Politik besetzten Verbandes.
Von Susanna Battefeld
FRANKENAU. wo vor zehn Jahren noch alles verwildert und zugewachsen war, weidet inzwischen eine Herde Hinterwälder Rinder mit Kälbern auf 20 Hektar freigelegten Magerrasenflächen zwischen Obstbäumen und Schlehenhecken. Landrat Dr. Reinhard Kubat sprach von einem „vorbildliChen Projekt", als er jetzt mit weiteren Akteuren, das vom Landschaftspflegeverband (LPV) Waldeck-Frankenberg geförderte Beweidungsprojekt der Haltergemeinschaft Hinterwälder Rind in der Gemarkung „Albensteinseite" vor den Toren Frankenaus besichtigte.
„Solche ursprünglich zugewachsenen Flächen gibt es in jeder Gemeinde", sagte Kubat und lobte: „Das ist eine richtig tüchtige und schlagkräftige Gruppe, die wir hier haben." Es habe sich ursprünglich um alte, terrassenförmig angelegte Ackerflächen gehandelt, die für die Landwirtschaft unrentabel geworden waren, erläuterte LPV-Geschäftsführer Carsten Müller. Das Pilotprojekt der Haltergemeinschaft, die von der NABU-Ortsgruppe Frankenau und zwei ansässigen Nebenerwerbslandwirten gegründet wurde, trage dazu bei, Lebensräume für Tierarten zu schaffen, stärke den Erhalt der Hinterwälder Rinder — einer alten, gefährdeten Haustierrasse und pflege und erhalte zudem attraktive Landschaftsteile, sagte Müller. „Wir wollen den Magerrasen wieder aktivieren", stellte Müller fest. Deshalb seien die im Besitz des NABU befindlichen Flächen im Winter 2017/2018 durch Entnahme von Einzelbäumen und Heckenrückschnitt freigeschnitten worden. Gefällte Bäume seien zum Teil mit Schleppern rausgezogen worden.
Beweidung steuern
Zudem wurde ein Zaun gebaut, um die Beweidung effektiv steuern zu können. „Das Hinterwälder Rind hält die Flächen nachhaltig offen" sagte Müller und bemerkte: „Das Projekt ist gut gelungen." „Die Rasse ist sehr genügsam und kommt mit dem Futterangebot hier klar", berichtete Herbert Ruhwedel von der Haltergemeinschaft. Trotz der derzeitigen Trockenheit stünden die Tiere im „vollen Saft". Das Gelände sei vor zehn Jahren „total verkommen" gewesen. „Man muss mit den Anforderungen an die Landwirtschaft mitgehen“, betonte Ruhwedel. Vom „Museumsnaturschutz" sei man inzwischen „komplett weg".
Neben den Landwirten, die jetzt wieder große Weideflächen hätten, profitiere beispielsweise auch der Neuntöter von dem Beweidungsprojekt, da dieser Vogel offene Flächen brauche, um auf Beutejagd zu gehen, erläuterte Müller.
Weitere „Zielarten" seien die Heidenelke sowie weitere Pflanzenarten, die Licht benötigten. Die tierischen Landschaftspfleger böten zudem eine Attraktion für Einheimische und Touristen.
Waldeckische Landeszeitung vom 15.08.2018