HNA: Regionales Kulturgut wächst heran
NABU und Landschaftspflegeverband legen Streuobstwiese bei Lelbach an
Korbach-Lelbach – Die NABU-Ortsgruppe Korbach um den Vorsitzenden Dr. Peter Koswig sowie der Landschaftspflegever-band Waldeck-Frankenberg mit dem Geschäftsführer Carsten Müller verfolgen gemeinsam das Ziel, die vielfältige Kulturland-schaft in der Region zu schützen und weiterzuentwickeln. Mit der Pflanzung einer Streuobstwiese bei Lelbach verfolgen dieOrganisationen dabei gleich mehrere Ziele.
„Alte und strukturreiche Streuobstwiesen zählen zu den vielfältigsten und artenreichsten Elementen unsererKulturlandschaft.“,erklärt Peter Koswig. „Sie bieten eine Heimat für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten und sind zu-gleich ein besonderes, vom Menschen geschaffenes Kulturgut.“Auf einer ehemaligen intensiv genutzten Ackerfläche sind 49 hochstämmige Obstbäume verschiedener Sorten gepflanzt wor-den. Das vom Naturschutzbund erworbene Grundstück grenzt unmittelbar an eine bereits vorhandene Obstwiese an und er-gänzt diese ideal. Zusammen mit der nahe gelegenen NABU-Obstwiese bei Öhls Teich befindet sich in Lelbach nun dergrößte Streuobstkomplex im Korbacher Raum.
„Obwohl insbesondere der nördliche Landkreis aufgrund der bisherigen Witterungslage historisch keine typische Obstbaum-region war, sollten wir uns um den Erhalt und auch entsprechende Neuanpflanzung bemühen“, betont Carsten Müller: „Wir alle wissen, dass sich das Klima ändert.“ In Deutschland seien in den vergangenen 50 Jahren über 70 Prozent der Bestände verschwunden oder werden nicht mehr gepflegt und brechen zusammen.“
Die Ursachen des Rückgangs von Obstbaumbeständen sind vielfältig: Ortsnahe Obstwiesen wurden für neue Baugebiete gerodet und der Absatz der Früchte wurde zunehmend schwierig. Handel und viele Verbraucher setzen auf gespritztes Planta-genobst von weit her. „Wir denken, dass in Zukunft die Wertschätzung und damit die Nachfrage für heimisches, nicht gespritztes Obst mit sicheren, kurzen Transportwegen und guter Klimabilanz wieder steigen wird. Mit insgesamt über 300 großen Obstbäumen in unserer Obhut sind wir darauf vorbereitet“, sagt Koswig. Die Pflanzaktion selbst stelle auch einen Beitrag zum Klimaschutz dar. Der Boden werde zukünftig wieder erhebliche Mengen Humus aufbauen und das Bodenleben gesunden. Die wachsenden Bäume entzögen der Luft Kohlendioxid und speichernden Kohlenstoff über Jahrzehnte.
„Zwar ist diese Neuanpflanzung noch lange nicht so strukturreich wie ältere Bestände, aber man muss ja einfach wieder anfangen, etwas zu tun“, erläutert Müller, der mit dem Landschaftspflegeverband eine Vielzahl von unterschiedlichen Projekten im Kreis angestoßen hat, um sich gegen das Artensterben in der Region zu stemmen. „Deshalb haben wir gerne das NABU-Projekt unterstützt.“
Auf die Besonderheit dieser Obstbäume weist Peter Koswig hin: „Mit den Sorten Jakob Fischer, Twister Weinapfel oder Volkmarser Birne wird ein regionales genetisches Kulturgut erhalten. Zudem passen diese Früchte in eine gesunde, ausgewogene Ernährung und werden von Apfelallergikern oftmals deutlich besser vertragen als moderne Supermarktsorten.“
Die Pflanzaktion erfolgte mit finanzieller Unterstützung des Landkreis Waldeck-Frankenberg, die praktische Umsetzung in Kooperation von NABU, Landschaftspflegeverband und der Biobaumschule „Pflanzlust“ aus Wolfhagen.
Quelle: red, HNA, 12.01.2023